Zwischen Theorie und Praxis

Liebe Freunde athletischer Gesinnung, 

als Athletiktrainer empfinde ich es als Pflicht sich immer über die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft zu informieren und sich mit seinen Mitstreitern und Kollegen über seine Arbeit auzutauschen. Dies gehört zweifelsohne zu einem verantwortungsvollen Umgang mit seinen Kunden und Athleten. Zwei der drei niveaureichsten deutschsprachigen Tagungen im Bereich Athletik liegen nun hinter mir: Die Athletikkonferenz 2016, welche mittlerweile aufgrund höherer Teilnehmerzahlen das erste Mal in der Sportschule Hennef stattfand, sowie das Kraftsymposium 2016, das in diesem Jahr in Frankfurt unter dem Focus der Effekte parallelem Kraft- und Ausdauertrainings abgehalten wurde. 

Alles in allem waren beide Veranstaltungen wirklich rundum gelungen. Für mich ging es nun darum, die neuen Erkenntnisse aus der Forschung und die interessanten Erfahrungsberichte auf Nutzbarkeit im eigenen Anwenderfeld sowie auf Passung zur eigenen Trainingsphilosophie zu prüfen und gegebenenfalls in diese zu integrieren. Das durchaus unterschiedliche Publikum trug - zumindest bei mir - in vielen Fragerunden und Diskussionen zu einem kreativen Umgang mit den vermittelten Inhalten bei. 

Neben...

  • neuen Technologien zur Messung der Herzfrequenzvariabilität, Bio-Feedback oder den klassichen Herzfrequenz- und GPS-Daten im Spielsport,
  • neuen Ansätzen instrinscher Motivation für Breiten- und Leistungssportler in Training und Alltag,
  • interessanten Berichten über klar strukturierte Logarithmen zur Professionalisierung rehabilitativer Maßnahmen,
  • einer praxisnahen Erfahrung beim KAATSU-Training,
  • der Tatsache, dass sich die Effekte parallelem Kraft- und Ausdauertrainings mit zunehmendem Leistungsniveau am Ende dann doch "irgendwie" negativ beeinflussen und dem
  • informativen Wissen darüber, dass man bei ketogener Ernährung - als Mutter aller Low-Carb Ernährungsweisen - offenbar doch Ausserordentliches zu leisten im Stande ist,

...steht für mich am Ende dennoch ein Kernaspekt über allem: "SPEZIELL SCHLÄGT GENERELL!"

Egal ob Reha-, Breiten- oder Leistungssportler, egal ob Individual- oder Mannschaftssportler: Individualität zählt! Die persönliche Ziele, Empfindungen und der situative Kontext des Athleten, Kunden oder Patienten beeinflussen die Trainingsplanung maßgeblich. So geht es aus meiner Sicht für einen guten Trainer zunächst darum, Sensibilität für Individualität zu entwickeln. Allgemein gültige oder neu gedachte Trainingsprinzipien und Methoden aus der Wissenschaft sollten nicht einfach blind übernommen werden. Vielmehr geht es darum diese in Gänze zu verstehen, sie mit Bezug zum aktuellen Kontext des Sportlers zu interpretieren und sie erst dann - als Leitlinien im Hintergrund - in die alltägliche und jeweils individuelle Trainingsplanung einfliessen zu lassen. Denn erst dann erfährt man, was es mit der sogenannten Brücke aus Theorie und Praxis auf sich hat und erst dann lernt man Stück für Stück wie diese Brücke zu überqueren ist.

Bleibt sportlich!

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